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Die Erneuerbare Energieseite

Energiewende

Vorwort
Klimawandel, CO2-Reduktion, Energieeinsparung, Energieeffizienz, regenerative und alternative Energie sind als Schlagworte in aller Munde. Jeder weiß, dass auf breiter Front gehandelt werden muss. Allein es fehlte bisher an einem Motor, der das Gesamtthema in Fahrt bringen konnte.
Die Lösung liegt in der Verbindung zwischen Ökologie und Ökonomie. Es müssen Konzepte umgesetzt werden, bei denen die Kommunen wieder Herr über Energie und Netze sind und bei denen der einzelne Bürger sowohl als Energielieferant als auch als Energieverbraucher, besser als Energiesparer eingebunden ist.
Energiekonzerne, deren einzige Absicht ist, durch Energiemehrverbrauch zu profitieren, sind in Zukunft keine geeigneten Partner mehr. Sie werden bestenfalls noch als Dienstleister eingebunden.
Einer Umsetzung des Konzepts kann sich keine politische Gruppierung dauerhaft entziehen. Auch wenn dieses Gesamtkonzept aus den Reihen der Freien Wähler stammt, so sind einzelne Komponenten seit Jahren bei unterschiedlichen politischen Parteien im Gespräch. Ich betone ausdrücklich, dass alle demokratischen Parteien eingeladen sind, sich an der Umsetzung zu beteiligen, ja es ist sogar notwendig, dass vorher breiter politischer Konsens hergestellt wird. Das verstehe ich unter „Allianz“! Nicht nur im Wahlkampf, sondern vor allem danach! Nicht gegen Parteien oder Politiker, sondern für ein Ziel!
Die Einbindung der staatstragenden Partei in Bayern erscheint jedoch höchst problematisch bis unmöglich. Die gegenwärtige Verquickung hochrangiger Politiker mit den Interessen der monopolistischen Energiewirtschaft lässt befürchten, dass die Bemühungen, ein alternatives Energiekonzept einzuleiten behindert, wenn nicht sogar verhindert werden. Einschlägige Erfahrungen aus anderen Bereichen, (3. Startbahn, Transrapid) wo sich Konzern-Lobbyarbeit direkt auf politische Entscheidungen und Entscheidungsträger ausgewirkt hat, lassen zwingend darauf schließen.

Zusammenfassung des Konzepts
Die Kommune, als überschaubare Struktur des Zusammenlebens bildet zukünftig den regionalen Rahmen für eine Energiegenossenschaft. Diese bindet die Kommune selbst, die Stadtwerke, alle staatlichen Behörden am Ort, die Industrie, das Gewerbe und möglichst alle Bürger in eine Interessensgemeinschaft von Energiesparern, Energieerzeugern und Energieverbrauchern ein. Diese Gesellschaftsform bietet sich wegen ihrer Flexibilität an.

Stadtwerke
müssen wieder in vollem Umfang der Kommune gehören. Beteiligungen von Energiekonzernen an Stadtwerken müssen wieder abgelöst werden, Verträge laufen aus oder werden rechtzeitig gekündigt. Die Kommunen erhalten wieder die Hoheit über ihre Ver- und Entsorgungsnetze, sie bedienen sich Dienstleistern wo es nötig und vernünftig ist.

Trink- und Brauchwasser
ist in alle Überlegungen parallel zur Energie einzubeziehen.

Alle denkbaren Energiequellen werden in verträglichem Maß genutzt. Herkömmliche Energieerzeugung aus fossilen Ressourcen wird schnellstmöglich eingestellt und durch alternative Quellen ersetzt.

Kreditinstitute
werden ebenfalls in der Energiegenossenschaft integriert. Sie finanzieren auf der Basis einer Dienstleistungsausschreibung die notwendigen Investitionen vor und refinanzieren sich durch einen Anteil am Erlös des Energieverkaufs.

Die Genossenschaft bündelt die Bemühungen aller Beteiligten, maximale Energieeinsparung zu erreichen, bei gleichzeitig minimaler Abhängigkeit von externem Energieeinkauf. Ziel muss sein, energetisch zu 100% autark zu werden und überschüssige Energie bei anderen Genossenschaften oder Versorgern einzuspeisen und zu Marktpreisen zu verkaufen. Das Preisdiktat von Energiekonzernen und Netzbetreibern wird Schritt um Schritt reduziert und somit das Energiemonopol unterlaufen.

Alle Beteiligten an der Energiegenossenschaft bestimmen dabei durch ihr Energieverhalten insgesamt selbst, wie viel sie für wie wenig Energie bezahlen wollen. Ziel ist eine Preisgestaltung, die Energieeinsparung belohnt. Bündnis90/Grüne nennen dies in Ihrem Wahlprogramm „Linearisierung der Tarife“. Ich präzisiere verständlich: Mengenrabatt wird ersetzt durch Minderverbrauchsbonus. Davon profitiert endlich und in erster Linie der Kleinverbraucher, also der Bürger.

Best practice
Das Konzept ist nicht neu und ich habe es nicht erfunden! Es funktioniert bereits vorbildlich in einigen europäischen Kommunen.
Als Beispiele führe ich an:
- Merkendorf ist energieautark. (http://www.merkendorf.de)
- Gemeinde Furth bei Landshut in überschaubarem Umfang und als Beispiel für einen schnellen Start. (www.furth-bei-landshut.de/ )
- Gemeinde Ascha

Ich empfehle Exkursionen, um von diesen Gemeinden zu lernen.

Energieeffizienz
Ein erster Schritt im Rahmen des Gesamtkonzepts muss Energievermeidung und Energieeinsparung sein.
Altbausanierung ist eine Maßnahme, mit der Energieeinsparung bis zu 90% des herkömmlichen Bedarfs möglich sind. Staat und Kommune müssen hier mit gutem Beispiel vorangehen und eigene Gebäude vorbildlich sanieren.
Der Energieausweis wurde vom Gesetzgeber vorgegeben. Bei jedem Kauf und bei jeder Neuvermietung einer Immobilie muss ein Energieausweis erstellt werden, der nachweist, dass das Gebäude der Energieeinsparverordnung entspricht. Die Verordnung ist allerdings nur eine Mindestanforderung. Mehr hilft in diesem Fall auch mehr!

Wirtschaftlichkeit von Energiegenossenschaften
Die hohen Anfangsinvestitionen stellen eine gewaltige Hürde dar. Aber angesichts der absehbaren Energieknappheit und der daraus exponentiell steigenden Energiepreise gibt es dazu keine Alternative.

Hindernis für eine breitflächige Sanierung ist momentan der Kostenfaktor der Vorfinanzierung. Beratungsstellen (Genossenschaft) und Finanzierungskonzepte (Partnerbanken) müssen dem Bürger die Entscheidung erleichtern. Kommunen und Landkreis müssen Förderungen auflegen um die Entwicklung anzukurbeln.

Energieeinsparung, Energieerzeugung und Energieverbrauch müssen eine Einheit bilden und unter gesamtwirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet und gerechnet und finanziert werden.

Kommunale Investitionen in den Energiebereich müssen in den nächsten Jahren Vorrang bekommen. Dafür muss auch eine kurzfristige Neuverschuldung in Kauf genommen werden.

Funktionierende kommunale Genossenschaften streben eine überregionale Zusammenfassung an, um langfristig ein Netzwerk aufzubauen, das größtmögliche Unabhängigkeit von äußeren Einflüssen erreicht.

Soziale Aspekte
Daseinsvorsorge ist gesetzlicher Auftrag der Kommunen und des Landkreises. Energie- und Wasserversorgung sind vorrangiger Bestandteil der Daseinsvorsorge. Die Versorgung mit Energie ist dabei genauso hoch zu werten wie die Unterstützung des Bürgers bei Energieeinsparung und der Beitrag zur CO2-Einsparung. Kommunen müssen Vorreiter beim Energiesparen sein und Energieeinsparung auf der Bürgerebene entsprechend fördern.

Bei der gegenwärtigen Entwicklung der Energiekosten droht eine neue Armut. Immer mehr Bürger würden sich Energie nicht mehr leisten können. Die Folge wäre eine tief greifende Rezession die die Volkswirtschaft nachhaltig schädigen könnte und soziale Verwerfungen.

Die Energiegenossenschaft könnte Sozialtarife einführen, die auch benachteiligten Schichten eine Teilnahme an Energienutzung ermöglicht.

Klimaschutz
Kommunen und Genossenschaften müssen Vorreiter und Vorbild bei der Erfüllung der EU-Richtlinien zur Verringerung des CO2-Ausstosses sein.

Gesamtenergiebilanz und Nachhaltigkeit
Bei der Erzeugung von alternativen Energien ist darauf zu achten, dass die Energiebilanz positiv ist. Das heißt, es dürfen durch die Energieerzeugung keine Folgen auftreten, die die Treibhausgasemissionen an anderer Stelle direkt oder indirekt erhöhen. Beispielsweise ist auf kurze Lieferwege beim Transport von Biomasse zu achten. Dezentraler und lokaler Energieerzeugung ist deswegen der Vorzug zu geben.
Methanfreisetzung als Nebeneffekt der Bioenergieerzeugung ist zu vermeiden, bzw. konsequent energetisch zu nutzen.
Bei allen Energiegewinnungen ist Restenergie zu nutzen und der Wirkungsgrad zu maximieren.

Ethik
Die Erzeugung von Energie durch Biomasse stößt an Grenzen. Verbrennung von Lebensmitteln zur Energieerzeugung ist nicht akzeptabel und wird nicht gefördert. Großflächige Biomasseerzeugung ausschließlich zur Erzeugung von Biodiesel oder Biogas könnte zu einer neuerlichen Ausräumung und Überbewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen führen, die gerade einmal überwunden schien. Landwirtschaftliche Flächen müssen in erster Linie der Viehwirtschaft dienen und nicht der Treibstoffproduktion geopfert werden. Die Kulturlandschaft darf nicht großflächigen Energieproduktionsflächen geopfert werden.

Agenda
- Konzepterstellung
- Kosten/Nutzenanalyse, Fördermöglichkeiten
- Gründung von Energiegenossenschaften (Kommune, Stadtwerke, Bürger, Gewerbe, Banken)
- Contracting, Marketing, neue Fördertöpfe
- Vorfinanzierung durch Partnerbanken
- Energieeffizienzmaßnahmen, Energieeinsparungsmaßnahmen
- Netzausbau
- Alternative und regenerative Energieerzeugung
- Marketing
- Zusammenschluss mehrerer Genossenschaften

Dipl.-Ing.(FH) Karl Heinz Jobst
Kreisrat